Fotografieren ist wie Meditieren – Kai Flockenhaus im InstaTalk

Auf Instagram teilen Millionen Menschen Fotos und Videos von besonderen Momenten miteinander. Oft geht es um Essen, Fashion oder Reisen. Manche setzen aber auch bewusst das Ruhrgebiet in Szene. In den kommenden Monaten, stellt Ruhrpottblick in der neuen Serie “InstaTalk” einige dieser Instagramer vor.

Kai Flockenhause im Instatalk

“Der Pott ist mein Zuhause und sehr interessant.”

Ein Interview mit Kai Flockenhaus aka @lomtro

Heutzutage geht alles schnell und einfach. Für wenige Dinge nimmt man sich noch bewusst Zeit. Zum Beispiel zum Fotografieren. Schnell wird das Handy gezückt, auf den Auslöser gedrückt und schon hat man seine Aufnahme. Anders macht das Kai Flockenhaus (39). Der Sozialarbeiter findet seinen Ausgleich zum Beruf in der bewussten Fotografie. Er benutzt analoge Kameras und überlegt sich bei 36 Fotos pro Film ganz genau, was er als nächstes vor die Linse kriegen möchte. Ganz oft erwischt der Hobbyfotograf dabei das Ruhrgebiet.

Ruhrpottblick: Was gefällt dir an der bewussten Fotografie?

Kai: Bei der Achtsamkeitsfotografie, also bei der analogen Fotografie, setzt man sich viel mehr mit einem Foto auseinander. Man überlegt sich genau, was man fotografieren möchte und aus welcher Perspektive man das Motiv ablichten möchte. Dadurch befindet man sich total im Hier und Jetzt. Man schaltet das Drumherum ab und deshalb gefällt mir das bewusste Fotografieren auch so gut. Es ist der perfekte Ausgleich. Beim Fotografieren kommt man rum. Man geht raus, man hat Bewegung und am Ende kommt sogar noch was dabei raus.

Du hast dich auch der Lomografie verschrieben. Was genau ist das?

Bei der Lomografie gibt es keine Regeln. Es ist das analoge Fotografieren und das Benutzen von Filtern. Ein Filter kann dabei alles sein, was du vor die Kamera hältst. Dadurch entstehen ganz neue Bilder mit einem eigenen Charakter. Es ist Kunst. Scherzhaft könnte man auch sagen: alles was nichts geworden ist, ist Lomografie. Ich behaupte, dass viele Leute durch die Lomografie wieder zum Fotografieren gekommen sind. Ich selbst habe so wieder dazu gefunden. Ich hatte schon als Kind eine analoge Kamera und das Fotografieren hat mir immer Spaß gemacht. Aber nach einer langen Pause hat mich die Lomografie wieder motiviert.

Welche Motive fotografierst Du am liebsten?

Ein Lieblingsmotiv habe ich gar nicht. Dafür ist mir eine besondere Perspektive besonders wichtig. Alles wurde irgendwann schon mal fotografiert oder aufgenommen und deshalb möchte ich es mal aus einer anderen Perspektive zeigen. Ich möchte die Motive anders darstellen als es die Masse tut.

Warum bist Du auf Instagram?

Ich möchte anderen, vor allem jungen Menschen, das Fotografieren wieder näherbringen. Die Lomografie hat mir einen neuen Reiz gegeben und ich hoffe und glaube, dass sie auch andere begeistern kann.  Und deshalb veröffentliche ich meine Bilder auf Instagram. Dazu musste ich allerdings etwas länger warten. Die App gab es zuerst nicht für Apple-Geräte, aber als sie dann endlich auch für das iPhone erhältlich war, habe ich sie sofort installiert. Übrigens versuche ich immer authentisch und realistisch zu sein.

Wie bist Du auf deinen Instagram-Namen gekommen?

Der Name „lomtro“ setzt sich zusammen aus dem Wort „Lomografie“ und aus dem Wort „retro”. Weil analoges Fotografieren und Lomografie ja durchaus retro sind.

Welche Hashtags favorisierst Du?

Meine Lieblingshashtags sind #analogphotografie, #filmfotografie und dann noch #ruhrromantik, weil hier die Lichtkunst so in Szene gesetzt wird

Wieso möchtest Du das Ruhrgebiet mit anderen teilen?

Ich bin von hier. Ich möchte einfach zeigen, dass wir auch etwas zu bieten haben. Ich habe einen großen Freundeskreis und viele kommen auch von weiter weg. Wenn ich denen dann das Ruhrgebiet zeige, dann sind sie meistens ganz erstaunt. Also wenn man nicht von hier kommt, dann hat man glaube ich meist eine ganz andere Vorstellung vom Ruhrgebiet. Viele sind auch erstaunt, wie grün das Ruhrgebiet doch ist. Ich möchte den Leuten zeigen: Hier ist es schön!

Was fasziniert Dich am Ruhrgebiet?

Der Ballungsraum. Ich glaube das gibt es nur hier so, dass alle Städte so nah aneinander sind. Es kann auch belastend sein, aber eigentlich ist es auch ziemlich schön! Man kann alles schnell erreichen und wenn man denn doch mal Ruhe braucht, dann findet man die auch. Ich finde auch erstaunlich, dass trotz der Enge alles so gut funktioniert und finde es spannend, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Ich bin immer mit der Kamera auf der Suche.

Hast Du einen Lieblingsort im Pott?

Eigentlich sind es sogar zwei. Ich bin ein Meermensch, weil ich einfach gerne in die unendliche Ferne schaue. Das kann man hier im Ruhrgebiet am besten auf dem Tetraeder. Mit oder ohne Kamera kann ich mir da einfach den Kopf frei pusten lassen. Man hat da einen unglaublichen Weitblick.  Der zweite Ort ist das Hammertal und der Hohenstein bei Witten. Das ist ein super schönes Gebiet. Gerade im Herbst, wenn die Blätter an den vielen Bäumen bunt werden ist es dort toll zum Fotografieren.

Vervollständige bitte folgenden Satz: Der Pott ist…

… mein Zuhause und sehr interessant. Ich hatte oft überlegt weg zu ziehen, kann es mir aber doch nicht vorstellen. Es fühlt sich hier einfach nach zuhause an.

Vielen Dank Kai für das interessante Interview und den kurzen Einblick in die Lomografie.

Besucht Kai doch mal auf Instagram
@lomtro
Oder schaut auf seinem Youtube Kanal Lomtro vorbei.

Ihr möchtet auch mal im Ruhrpottblick-Instatalk über eure Instagram-Leidenschaft plaudern? Dann lasst mal was hören und schickt uns eine E-MAIL an info@ruhrpottblick.de

Maria Leidinger
Maria ist Autorin auf www.ruhrpottblick.de. Sie studiert Journalistik an der Technischen Universität in Dortmund. Als freie Journalistin schreibt sie unter anderem für Zeitungen. In ihrer Freizeit reist sie durch die ganze Welt, kommt aber immer wieder gerne in ihre Heimat - den Ruhrpott - zurück.